Das sympathische Standpersonal, zertifizierte Naturund Landschaftsführer, wie ich im weiteren Gesprächsverlauf erfuhr, haben mir mit großer Begeisterung von der Wedeler- und Haseldorfer Marsch vorgeschwärmt. Sie drückten mir die vom Elbmarschenhaus herausgegebene „Schatzkarte" für die Wedeler, Seestermüher und Haseldorfer Marsch in die Hand. Diese Karte – von einem Wedeler Künstler handgezeichnet – gibt einen hervorragenden Überblick über die Region zwischen Wedel und Elmshorn. Außerdem gaben sie mir den Hinweis auf das Elbmarschenhaus in Haseldorf, das Informationszentrum für Kultur und Natur in der Marsch. Wieder zu Hause angekommen habe ich mir die Internetseiten des Elbmarschenhauses angeschaut und bin auf die Radrundroute „Wedeler- und Haseldorfer Marsch" aufmerksam geworden.
Am ersten goldenen Sonntag im September hieß es dann: „Auf in die Marsch". Von Altona erreichte ich in nicht mal einer halben Stunde mit der S1 die Endhaltestelle Wedel (die Fahrradmitnahme ist im Übrigen kostenfrei). Der Hauptstraße Richtung Uetersen folgend stoße ich ohne langes Suchen auf den Rundkurs, der im Wesentlichen der ausgeschilderten Kreisroute 16 und dem Elberadweg folgt. Die ersten Kilometer führen mich durch die wunderschöne Landschaft der Wedeler Marsch. Wenn auch eigentlich viel zu früh lädt das „Obstparadies" zur ersten Rast ein. Den leckeren selbstgebackenen Kuchen habe ich auf der Sonnenterrasse mit Blick über die Obstplantagen und die Weite der Marsch genossen. Auch einen gut sortierten Hofladen gibt es hier.
Wieder auf dem Fahrrad erreiche ich nach rund einem Kilometer den von Schafen belagerten Deich. Auf der Deichkrone angekommen eröffnet sich mir die an dieser Stelle fast zwei Kilometer breite Elbe mit seinem Deichvorland, welches sich bei Ebbe zu einem der seltenen Süßwasserwatten verwandelt: Das NSG Haseldorfer Binnenelbe mit Elbvorland. Die vom NABU betriebene Carl-Zeiss-Vogelstation lädt ein, sich über die unzähligen Arten von Vögeln, die das Gebiet in den unterschiedlichen Jahreszeiten als Rast- oder auch Brutstätte nutzen, zu informieren. Auch Ferngläser können hier ausgeliehen werden.
Ich folge dem Deich, mal auf der Elb-, mal auf der Marschseite. Im Bereich der Hetlinger Schanze öffnet sich ein wunderschöner Sandstrand, der zum verweilen einlädt. Ein idealer Ort um Shipspotting zu betreiben und von der großen weiten Welt zu träumen. Wieder auf dem Rad stellen sich mir unzähligen Schafen in den Weg, die sich von mir nicht im Geringsten stören lassen. Slalomfahren ist die Devise!
Kurz hinter der Hetlinger Schanze, von wo die Dänen ab 1659 ihre Interessen gegenüber dem schwedischen Alten Land und Stade, sowie gegenüber Hamburg sicherten, beginnt das NSG Haseldorfer Binnenelbe mit Elbvorland. Die Haseldorfer Binnenelbe war noch vor wenigen Jahrhunderten der Hauptlauf der Elbe. Durch die ab 1975 durchgeführten Hochwasserschutzmaßnahmen und der Bau von Landesschutzdeichen änderten sich die Wasserverhältnisse und die natürlichen Lebensräume in diesem Gebiet. Große Teile der ehemaligen Flußlandschaft stehen seitdem nicht mehr unter Tideeinfluss.
Der kleine Abstecher in den Haseldorfer Obstgarten ist ein weiteres Highlight dieser Tour. Hier wachsen über 180 verschiedene alte Obstbaumsorten, deren Früchte man für den Eigenbedarf ernten und mit nach Hause nehmen kann. Ein wunderschönes Fleckchen Erde! In Haseldorf entdecke ich das Café Mühlenwurth, wo ich bereits mein zweites Stückchen Kuchen am heutigen Tag verdrücke. Lecker!
Wieder auf dem Deich fahre ich weiter Richtung Norden. Nach ca. zwei Kilometern zweigt der Pinnau-Deich ab, dessen Verlauf ich vorbei an unzähligen Reetdachhäusern mit gepflegten Gärtchen folge. Nach einem kurzen Stopp an der historischen und sehr sehenswerten Drehbrücke in Neuendeich mache ich mich vorbei an Obsthöfen und Obstplantagen über Haselau auf den Weg zum Elbmarschenhaus in Haseldorf. Nach einem freundlichen Empfang des Personals bekomme ich sogar eine exklusive Kurzführung durch die lehrreiche Ausstellung über die multimediale Kultur- und Naturlandschaft der Marsch. Die Sonderausstellung im Nebenraum über den Apfelanbau in der Marsch, pünktlich zur Apfelernte, vermittelt sehr anschaulich alles Wissenswerte über die leckere Frucht.
Nach einem Spaziergang durch den in unmittelbarer Nähe des Elbmarschenhauses gelegenen jahrhundertealten Haseldorfer Schlosspark – das Schloss wird tatsächlich noch von einem „echten" Prinzen und seiner Familie bewohnt – beschließe ich den Heimweg anzutreten. Müde aber glücklich über den schönen Tag steige ich in den Bus der Linie 589, der mich wieder an den Ausgangspunkt meiner Radtour in Wedel bringt.
Bestimmt nicht mein letzter Besuch in der Wedeler- und Haseldorfer Marsch!